Fangen wir mit einer Kontroverse an: Wenn wir uns die ISO 9241-201 anschauen, sowie das Curriculum des UXQB (Usability and User Experiencene Qualification Board), finden wir heraus, dass die Rolle des UX-Designs eigentlich gar nicht existiert. Warum aber die Berufsbezeichnung UX-Designer trotzdem richtig ist und was du machen musst, um zu einem guten UX-Designer zu werden, erfährst du in diesem Artikel.

UX-Designer sind Generalisten

Wie schon in der Einleitung vorweg genommen: Die Rolle des UX-Designers existiert eigentlich gar nicht. Stattdessen wird zwischen verschiedenen Rollen innerhalb des User Centered Design (nutzerzentriertes Design) Prozess unterschieden:

 

  • Usability Engineer
  • User Requirements
  • Usability-Tester
  • Informationsarchitekt
  • Interaktionsdesigner
  • User Interface Designer

 

Diese unterschiedlichen Rollen haben verschiedene Deliveries. Während der Usability Engineer die Planung übernimmt, kümmert sich der User Requierements Engineer um den User Research (Nutzerkontext beschreiben, Personas erstellen, Bericht über Anforderungen und Erfordernisse, Spezifikation der Nutzungsanforderungen). Anschließend kümmert sich der Informationsarchitekt um die Informationsarchitektur. Mit dieser entwickelt der User Interface Designer einen Low-Fidelity-Protoyp. Der Interaktionsdesigner liefert dann in einer Iteration den Styleguide bevor ein High-Fidelity-Prototyp entwickelt wird. Am Ende des Prozess evaluiert der Usability-Tester den Prototypen.

Das sind ganz schön viele Menschen die an einem Projekt arbeiten. Unternehmen suchen aber meistens Generalisten, die Spezialisten in mehreren Bereichen sind. Gerade dort wo nach agilen Modellen gearbeitet wird (Agile, Lean UX), übernehmen meist wenige Mitarbeiter mehrere Spezialgebiete.

Nachdem diese Erklärung wenig intuitiv und sehr theoretisch ist, lass uns doch gemeinsam schauen, was ein UX Designer im Alltag überhaupt macht.

Was macht ein UX-Designer überhaupt?

Ein UX Designer

1. Analysiert die Zielgruppen und die Konkurrenz

  • Nutzertypen und -gruppen*
  • Nutzerziele und -verhalten*
  • Motivation
  • Best Practices und Wettbewerber
  • Verbesserungspotentiale

*z. B. anhand bestehender Daten (getrackt durch z. B. Analytics oder Piwik)

 

2. Entwickelt eine Strategie:

  • Produkt- und Unternehmensziele
  • Aufgaben, Umfang und Anforderungen
  • Methodiken
  • Inhalte und Funktionen
  • Projektplanung

 

3. Baut eine Architektur

  • Strukturierung der Inhalte und Funktionen
  • Definition der Ebenen und Hierarchien
  • Entwicklung der Navigation
  • Bestimmung von Suche, Sortierung und Filtern
  • Festlegung der Inhalte einzelner Screens
  • Bestimmung der Wege durch die Anwendung

 

4. Skizziert Wireframes

  • Definition des inhaltlichen Aufbaus und der Funktionen
  • Positionierung der einzelnen Elemente (inkl. Navigation und Interaktionen)
  • Entwicklung der responsiven Ansichten
Im Anschluss daran übernehmen die Visual Designer und die Entwickler das Projekt und setzen es entsprechend um.
Nun haben wir einen besseren Einblick erhalten, was ein UX-Designer im Alltag überhaupt macht. Wie euch sicherlich aufgefallen ist, sind hier nicht alle Rollen des User Centered Design Prozess abgedeckt. Ich habe hier die in meinen Augen wichtigsten und häufigsten Aufgabenbereiche des UX-Designers aufgezählt

Warum ist die (oben genannte) Arbeit des UX Designers überhaupt wichtig?

Design ist nicht zu vergleichen mit Kunst. Design und entsprechend auch UX Design löst Probleme: Der User findet auf Anhieb die Informationen, die er sucht. Er findet sich zurecht und fühlt sich gut im Umgang mit dem Produkt. Seine Erwartungen werden erfüllt, er behält die Anwendung in guter Erinnerung. Kurzum sein Nutzererlebnis verläuft durchweg positiv. Das wiederum schafft Vertrauen und eine Bindung zur Marke, führt zum Konsum, zu Empfehlungen und positiven Bewertungen.

Wie werde ich nun ein guter UX Designer?

Skills, Skills, Skills!

Wer UX Designer werden will muss ich im Klaren darüber sein, dass er sein Leben lang lernen wird. UX Design ist ein relativ neues Berufsfeld und im ständigem Wandel. Während noch vor 30 Jahren Menschen hauptsächlich über die Kommandozeile mit dem Computer interagiert haben, sprechen wir heutzutage mit Siri und Alexa. Voice User Interfaces sind der aktuelle Trend. Niemand kann sagen, was in 5 Jahren Trend ist. Aus diesem Grund muss ein guter UX Designer sein Wissen und seine Skills stets erweitern und trainieren.

 

Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten:

3 Anforderungen, die gute UX Designer (unbedingt) erfüllen müssen

Analysieren und systemisch denken

Du solltest in der Lage sein sehr analytisch und systemisch zu denken, wenn du ein UX Designer werden möchtest.  Das ist notwendig, um Prozesse und Strukturen zu verstehen und aufzubereiten.  Danach kann man sich als UX Designer mit Schnittstellen und Interfaces auseinanderzusetzen. Voraussetzung hier ist allerdings, dass man wirklich Interessen an der Materie haben muss, da man hier sehr tief in die Thematik einsteigen muss

 

Hartnäckigkeit & Durchhaltevermögen

Du brauchst Hartnäckigkeit und Durchhaltevermögen. UX Design ist dann besonders interessant, wenn die Aufgabe darin besteht, ein digitales Produktdesign zu entwickeln. Dies ist zwar nicht ausschließlich der Fall, aber immer tendenziell steigend. Das Produktdesign oder vielmehr der Weg dorthin ist kein schnelles Geschäft, sondern vielmehr ein längerer Prozess. Du solltest einen langen Atem, eine harte Schale haben und gut mit Kritik umgehen können. Du solltest Spaß daran haben für deine Ideen zu kämpfen und dich gegenüber Auftraggebern und deinem Team behaupten können. Ein guter UX Designer hat als Ziel sein fertiges Produkt vor Augen und nicht den Gehaltscheck.

 

Sei offen und entwickle selbst Ideen

Die Phrase „Think outside the box“ ist so abgedroschen und dennoch könnte sie hier passender nicht sein. Schemen, Vorlagen und Modelle sind wunderbar zum Lernen und üben. Aber danach solltest du offen sein, und um die Ecke denken und deinen eigenen Ideen einen Plattform bieten. Als UX Designer hast du die Aufgabe Erfahrungen, Erlebnisse und Emotionen zu gestalten und dies geschieht in den meisten Fällen eben am besten mit deinen eigenen Ideen. Am Anfang sollte eine Grundidee stehen. Hierzu dann am besten gleich Scribbles, Wireframes und Prototypen gestalten. Am Schluss kann man dann verfeinern und verbessen. Wenn du dazu neigst zu lange in der Theorie zu verweilen, ist UX Designer nicht deine Berufung.

Fazit

Ein guter UX Designer ist ein Generalist und beherrscht die verschiedenen Rollen innerhalb des User Centered Design Prozess. Er ist hungrig und will sein Leben lang neue Sachen lernen. Er ist empathisch und kann sich in andere Menschen hineinversetzen und besitzt Hartnäckigkeit und Durchhaltevermögen. Er bildet sich regelmäßig fort und verfolgt diverse Blogs und Magazine.