Wir entwickeln Anwendungen für Menschen. Daher ist die Grundlage jedes guten Designs die menschliche Wahrnehmung. Diverse Erkenntnisse aus der Psychologie erleichtern uns dabei die Arbeit, Informationen so aufzubereiten, dass man sie leicht versteht, und Elemente so anzuordnen, dass man diese leicht erfasst. Um die menschliche Wahrnehmung besser zu verstehen haben wir eine mehrteilige Serie ins Leben gerufen. Wir beginnen mit dem Kurzzeitgedächtnis:

Die 7 plus/minus 2 Regel des Kurzzeitgedächtnis:

Man kann das menschliche Gedächtnis in 3 Teile unterscheiden. Dem sensorischem Speicher, dem Kurzzeitgedächtnis und dem Langzeitgedächtnis. Diese 3 Teile des Gedächtnis besitzen unterschiedliche Eigenschaften anhand denen man Sie zu unterschiedlichen Instanzen unseres Gedächtnisses erklärt hat. Wir gehen an dieser Stelle nicht näher auf das Langzeitgedächtnis ein, da wir in der Usability mit dieser Instanz nichts zu tun haben.

Unser sensorischer Speicher speichert Elemente ungefähr 1 Sekunde bevor diese in das Kurzzeit- oder Arbeitsgedächtnis übergehen, oder verworfen werden. Das Kurzzeitgedächtnis speichert Inhalte mit einer variablen Speicherdauer ab. Die Speicherdauer ist variabel, weil die Aufmerksamkeit sich immer wieder neuen Informationen zuwendet, die im Kurzzeitgedächtnis gespeichert werden müssen. Im Gegensatz zum sensorischen Speicher oder dem Langzeitgedächtnis ist die Speicherkapazität im Kurzzeitgedächtnis deutlich geringer.

„There is a clear and definite limit to the accuracy with which we can identify absolutely the magnitude of a unidimensional stimulus variable. I would propose to call this limit the span of absolute judgment, and I maintain that for unidimensional judgments this span is usually somewhere in the neighborhood of seven. We are not completely at the mercy of this limited span, however, because we have a variety of techniques for getting around it and increasing the accuracy of our judgments“ (Quelle: http://www.well.com/user/smalin/miller.html )

Der amerikanische Psychologe George Armitage Miller beschrieb im Jahr 1956 die Tatsache, dass ein Mensch gleichzeitig nur 7 plus/minus 2 Informationseinheiten (Chunks) im Kurzzeitgedächtnis verarbeiten kann. Die Größe des Kurzzeitgedächtnisses ist genetisch festgelegt und kann nicht durch Training gesteigert werden.

Was bedeutet das nun für mich als UX/UI-Designer?

Das menschliche Kurzzeitgedächtnis kann nicht mehr als 7 Informationseinheiten verarbeiten. Aus diesem Grund halten wir die Anzahl an Informationen auf einer Seite möglichst gering und kombinieren zusammenhängende Informationseinheiten zu Chunks. Dadurch halten wir den kognitiven Workload gering. In einem Onlineshop geben wir maximal 5 verschiedene Preisoptionen an. Und die Navigationsstruktur fasst auch nicht mehr als 5-7 Elemente.

 

Paradox of Choice:

Das als „Paradox of Choice“ bezeichnete Phänomen wurde erstmals von dem amerikanischem Psychologen Barry Schwartz in seinem gleichnamigen Buch beschrieben. B. Schwartz argumentiert, dass zu viele Informationen einen überfordern. Haben wir 24 verschiedene Marmeladensorten vor uns, dann tun wir uns extrem schwer sich für eine zu entschieden. Sind allerdings nur 3 verschiedene Marmeladensorten im Laden vorhanden, so fällt uns die Entscheidung deutlich leichter. Das Prinzip können wir auf die Mensch-Maschinen-Interaktion adaptieren: Wir wollen einerseits eine möglichst große Auswahl, anderseits entscheiden wir eher für etwas, wenn die Auswahl kleiner ist und wir uns leichter erarbeiten können, was die beste Wahl ist. Erinnerung: Das Kurzzeitgedächtnis verarbeitet nur 7 plus/minus 2 Elemente gleichzeitig. Ist unsere Auswahl größer, haben wir einen erhöhten kognitiven Workload. Der User muss schnell eine Lösung finden, um sein gewünschtes Ziel zu erreichen. Muss er sich aber zuerst durch verschiedene Variationen durcharbeiten die sein Kurzzeitgedächtnis in der Zeit dauerhaft überlassen.

 

Ausblick auf die Zukunft:

Das war der Erste Teil der Serie „Grundlagen menschlicher Wahrnehmung“. Wir haben uns hier das Kurzzeitgedächtnis angeschaut, sowie den „Paradox of choice“. In Teil 2 werden wir uns mit der visuellen Wahrnehmung beschäftigen. In der Zwischenzeit lesenwert: „Was ist Usability – Eine ausführliche Erklärung“